Juli 27, 2019

Was bedeutet das Wort „Sela“?

Psalm 3

1 „Ein Psalm Davids,“ „als er vor seinem Sohn Absalom floh.“
2 Ach HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich!
3 Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. „SELA„.
4 Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor.
5 Ich rufe mit meiner Stimme zum HERRN, so erhört er mich von seinem heiligen Berge. „SELA„.
6 Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich.
7 Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen.
8 Auf, HERR, und hilf mir, mein Gott! / Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe und zerschmetterst der Gottlosen Zähne. (3:9)Bei dem HERRN findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk! „SELA„.

Das Wort „Sela“ – סֶּֽלָה

Dieses Wort kommt in den Psalmen 71 mal und im Propheten Habakuk 3 mal vor. Viele halten es für ein Pausenzeichen, das nur der Chorleiter (die Psalmen sind ja die Lieder des Alten Testamentes) zu beachten habe. Deswegen hat man es in alter und neuer Zeit beim Lesen gern weggelassen.

Nun lehrt die Heilige Schrift, sie sei wortwörtlich vom Heiligen Geist eingegeben (2.Tim. 3,16) und eben dazu gehört auch das kleine Wort „Sela“. Der Heilige Geist hat den von ihm inspirierten Schreibern nicht nur einen „Gedankenanstoß“ gegeben, ihnen nicht nur die Sache genannt, dass sie nun in eigener Formulierung göttliche Wahrheiten erläutern. Vielmehr gab er ihnen alle Worte so ein, wie sie sie niederschreiben sollten – eben auch das Wort „Sela“.

Der oben genannten Auffassung, das Wort „Sela“ sei ein musikalisches und nur für den Chorleiter oder die Sänger wichtiges Zeichen widerspricht auch, dass dieses Wort durch die Betonung im Hebräischen in den Text eingebunden ist. Auch die Tatsache, dass „Sela“ in den Psalmen 3; 9; 24 und 46 am Ende steht zeigt: Es kann kein Pausenzeichen sein, denn am Ende eines Liedes wäre ein solches einfach sinnlos.

Die Bibel lehrt, dass „alle Schrift“ (2.Tim. 3,16) nütze ist und uns dient zur Lehre, zur Widerlegung des Irrtums, zur Bekehrung, zur Besserung des Lebenswandels. Der letzte und eigentliche Zweck der Heiligen Schrift ist „die Unterweisung zur Seligkeit“. Demnach muss auch dieses kleine Wort „Sela“ in irgendeiner Weise diesem Zweck dienen.

Zu welcher Wurzel das Wort „Sela“ gehört, ist unbekannt. Man hat darüber verschiedenste Gedanken geäußert, ist jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen. Manche meinten, es heiße „Veränderung des Gesanges“ oder „Veränderung der Melodie“. Aber das Wort gehört zum Text, wie die Betonung zeigt. Andere kamen zu dem Ergebnis, es bedeute „O, wie besinnungswert!“ wie das im Neuen Testament oft vorkommende „Siehe!“. Hieronymus meinte, es sei ein Wort für „Ewigkeit“. Doch es steht oft im Zusammenhang mit vergangenen Dingen oder der Kontext verbietet eine solche Lösung (z.B. Ps. 4,3: Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lügen so gerne?“. Auch kann „Sela“ nicht immer die Bewunderung vor etwas Großem ausdrücken, denn Ps. 66,15 schreibt es der Psalmist im Zusammenhang mit den Opfern, die er darbringen will.

Ist „Sela“ für uns unbrauchbar und überflüssig? In der Vulgata (lateinische Bibelübersetzung) wurde früher das Wort einfach weggelassen, in heutigen Ausgaben steht an Stelle von „Sela“ das lateinische Wort DIAPSALMA, was soviel wie „eingeschobener Gesang“ bedeutet. Darum sagt Luther: „…welches man nicht pflegt zu lesen im Psalter. Es meinen etliche, es sei übrig in den Psalmen, wissen auch noch nicht, was es bedeute“.

Crusius sagt: „Es mag uns die Kenntnis des Etymons (der wörtl. Herkunft) fehlen… aber immer lehrt auch der Sprachgebrauch die gewisse Bedeutung der Ausdrücke.“ Dieser Regel der Schriftauslegung folgt Luther und gibt unter der wahren Bedeutung des Wortes an: Ich achte, es sei ein Zeichen des Geistes, dass, wo es im Psalter steht, dass da angedeutet wird ein Stillhalten und tiefes Aufmerken, dass der Geist jemanden besonders bewegt oder entzückt, etwas wohl [eingehend] zu betrachten.“

Und in seiner Auslegung zu Psalm 3 sagt er:„Ich halte nach meiner geringen Meinung dafür, dass dieses Stillehalten bedeute einen besonderen Affekt [Gemütsbewegung], womit der Psalmist eine Zeitlang während der Geistesbewegung ergriffen wird. Daher steht auch das Sela in den Psalmen, so verworren und [und scheinbar] ohne Grund, damit es eben dadurch anzeige die geheime und uns unbekannte und ganz und gar unvermutete Bewegung des Geistes, welche, wenn sie kommt, die Worte des Psalmes fahren lässt und Ruhe und Stillehalten der Seele fordert, damit sie für die dargebotene Erleuchtung oder Erregung fähig werde. So in diesem Verse, wo gehandelt wird von jener absonderlichen Versuchung des Geistes, in welcher der erzürnte Gott (und nicht nur ein bloßes Geschöpf) ertragen werden solle – da wird der Prophet bewegt, damit er dieselbe in seinem innersten Gemüt fühlen und erkennen möge.“

Der Gebrauch des Wortes „Sela“ gibt Luther recht. Im Deutschen würde man vielleicht sagen „Ach ja!“ oder „Jawohl!“. Dies wird dadurch bestätigt, dass manche Juden statt des Wortes „Amen“ (Ja, ja, so [ist] sei es!) das Wort „Sela“ benutzen sollen.

Wenn man einfach hinnimmt, was gewöhnlich zu „Sela“ gesagt wird, nämlich es sei eine für uns überflüssige musikalische Notiz, so wird uns dieses Wort auch schließlich ganz bedeutungs- und nutzlos erscheinen.

Es ist daher viel besser, der Erklärung Luthers beizupflichten, denn sie wird dem Wort Christi voll und ganz gerecht, wo der HERR vom Alten Testament (er nennt es „Gesetz“) spricht:

Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, denn dass ein Tüttel vom Gesetz falle.

Lukas 16,17