Juli 31, 2019

„Hoffnung“ – was meint die Bibel?

Luther verweist darauf1, dass „Hoffnung“ oder „hoffen“ in der Heiligen Schrift sowohl objektivisch als auch subjektivisch verwendet wird – das heißt: dass einer hofft oder worauf er hofft.

Würde man die objektivisch ausgerichteten Aussagen mehr subjektivisch verstehen, so würde die feste und gewisse Hoffnung, die Gott durch seine Verheißungen schenkt, menschlicher Schwachheit unterworfen, abhängig von Kleinglaube und Zweifel. Dem gegenüber sollen die Zusagen Gottes unangetastet von diesen wandelbaren Dingen bleiben.

Hier klagt einer, weil er seine Unzulänglichkeit, Schwachheit und Sünde erkennt: Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben; ich habe das Gute vergessen. Ich sprach: Mein Ruhm und meine Hoffnung auf den HERRN sind dahin. (Klgl. 43,17.18)

Dagegen steht Gott selbst und sein Wort als ein Fels in Brandung und Sturm:
Aber meine Seele harret nur auf Gott; denn ER ist meine Hoffnung. ER ist mein Hort, meine Hilfe und mein Schutz, daß ich nicht fallen werde. Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott. Hoffet auf ihn allezeit, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuversicht… (Ps. 62,6-9)

Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid… (Eph. 1,18)

Er (Abraham) hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, dass er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist (1.Mose 15,5): »So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.« Und er wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war, und auf den erstorbenen Leib der Sara. Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs allergewisseste: Was Gott verheißt, das kann er auch tun. (Röm. 4,18-21)

Sieht der Gläubige auf sich, muss er verzweifeln! Hört er Gottes gewisses Wort und richtet seine Sinne zu IHM, so wird er im Herzen fest und ruhig. Sein Gemüt ruht in Gott!

So oft die Gläubigen in der Heiligen Schrift selig gepriesen werden, so oft predigt sie dies und fordert sie die Gläubigen auf, an ihrer einstigen Seligkeit nicht zu zweifeln, mag es ihnen noch so weh um’s Herz sein; daher Paulus sagt: ,Wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung‘, womit er bezeugt, dass die Seligkeit der Gläubigen in diesem Leben nicht darin besteht, dass sie sie schon genießen, fühlen und empfinden, sondern darin, dass sie dieselbe hoffen, das heißt, mit Gewissheit erwarten. Denn die christliche Hoffnung ist nichts anderes, als der gewisse Glaube in Absicht auf das Zukünftige.“ C.F.W. Walther (aus F. Pieper, Walther als Theologe)

1Luther W2 IX, Col. 622-637 zu Gal. 5,5f. | Der Unterschied zwischen Glauben und Hoffnung